Der Rothirsch - Tier des Jahres 2026
Der Rothirsch ist von der Deutschen Wildtierstiftung zum Tier des Jahres 2026 gewählt worden. Der größte wildlebende Paarhufer in unserer Region ist durch den Straßenverkehr, Lebensraumverlust und zunehmend-unzulässigen Störungen in den Wäldern bedroht. Am meisten seien die imposanten Tiere allerdings durch genetische Verarmung gefährdet, so Wildbiologen und Forstwissenschaftler.
Um den weiteren Verinselungen der einzelnen Rotwildpopulationen entgegenzuwirken, müssen Korridore geschaffen werden, über die das Rotwild gefahrlos auch auf weit entfernte Rotwildbestände treffen kann.
Denn: Nicht zuletzt eine Blutauffrischung ist bekanntermaßen die Zauberformel gegen Inzuchtverkümmerung.
Das Rotwild am Niederrhein ist hauptsächlich im Rotwildbezirk Dämmerwald-Herrlichkeit Lembeck beheimatet. Er zieht sich über den Kreis Wesel. Die Population wird hier auf 350 bis 500 Tiere geschätzt. In den Wäldern der Hohen Mark, der Üfter Mark und auch in Teilen des Hünxer Waldes ziehen die freilebenden Rothirsche durch ihre Reviere.
Autobahn durch Rotwildbezirk
Größtenteils wurde der Streckenabschnitt der A31 in den 1980er Jahren bei Schermbeck gebaut. Mitten durch den großen Rotwildbezirk der Üfter Mark.
Die ausgetretenen Wildwechsel endeten plötzlich vor hohen Wildtierschutzzäunen an der Autobahn. Für nächtliche Beutemacher wie Dachs, Marder und Fuchs war es leicht, sich über, unter und auch durch den Zaun zu manövrieren. Allerdings wurden auch nicht wenige dieser Fellträger bei ihrem „Sprint“ über die Fahrbahn von Scheinwerferlichtern irritiert und dann von rasenden Autos tödlich erwischt.
Für Rothirsch, Reh und Wildschwein war vor den hohen Schutzzäunen meist das Ende der Fahnenstange. Obwohl auch manche Rotte Schwarzkittel mit unbändigen Kräften sich unter den Zaun durchgestrampelt hatte. Hin und wieder lagen auch tote Wildschweine auf der Fahrbahn.
Solche Kollisionen sind auch für Autofahrer lebensgefährlich.
Mehr Grünbrücken erforderlich
Erst im September 2012 konnte die Grünbrücke über die A31 bei Schermbeck (Üfter Mark) eröffnet werden. Das 40 Meter lange und 50 Meter breite Bauwerk wurde relativ schnell von Rothirschen, Rehen, Wildschweinen, Füchsen, Dachsen, Mardern, Hasen und anderem Kleingetier angenommen. Die Brücke war von Fachleuten mit Heide, Magerrasen, Offenbodenbereichen, Gebüschen, Sträuchern, kleinen Totholzecken ausgestattet worden. Zudem wurden artgerechte Gräser eingesät. Genau das kommt den darüber laufenden Wildtieren vertraut vor.
Wildunfälle auf der A31 wurden im weiten Bereich links und rechts der Grünbücke deutlich reduziert. Zudem konnten durch die Brücke angestammte Lebensräume wieder vernetzt werden. Ein erster, guter Schritt in unserer Region. Menschen können übrigens die Grünbrücke nicht nutzen. Das können die Wildtiere nämlich, auch Tage später noch, mit der Nase wahrnehmen. Die Tiere würden dann lange Zeit dem Braten nicht mehr trauen.
Das Autobahnnetz in Deutschland umfasste im Januar 2025 gut 13.200 Kilometer. Es zählt damit zu den dichtesten Autobahnsystemen der Welt. Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen weisen die meisten Autobahnkilometer in unserem Land auf. Leider haben wir bundesweit gerade einmal knapp über 100 Grünbrücken. Abertausende Wildtiere könnten in Deutschland gerettet werden, wenn der Ausbau der Grünbücken viel stärker forciert würde. Dadurch hätten auch weniger Menschen Unfälle mit Wildtieren.
Hellwach mit allen Sinnen
Der Rothirsch war ursprünglich ein Tier der Offenlandschaft. Erst durch die Zersiedelung der Landschaft und menschlichen Dauerstörungen ist er in den Wald gedrängt worden.
Nach Schätzungen gibt es bundesweit etwa 220 000 Rothirsche. Nur die männlichen Tiere bekommen ein Geweih und sind auch größer und schwerer als weibliche Rothirsche. Männliche und weibliche Rudel gehen das ganze Jahr über getrennte Wege. Nur zur Brunftzeit suchen sie einander.
Störungsfreie, traditionelle Brunftplätze werden jährlich meist schon im September aufgesucht.
Der Platzhirsch verliert beim Wettbewerb mit seinen Nebenbuhlern bis zu 30 Prozent seines Gewichtes. Sein markantes Röhren soll Konkurrenz einschüchtern und Weibchen imponieren. Er kommt nicht zum Fressen, muss seine weiblichen Tiere zusammenhalten. Als Wiederkäuer verdrückt Rotwild normalerweise über 10 Kilogramm Grünfutter am Tag. Als Fluchttier mit ausgezeichneter Nase und einem sensiblen Gehör werden potenzielle Gefahrenquellen schnell entlarvt.
Peter Malzbender
