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Moorfrösche im Kreis Wesel

Sie sind da: aber wo und wie viele?

Moorfrösche, die großen Unbekannten der Amphibienwelt. Sie quaken nicht, sie leben bei uns nur im Wald, man findet sie nur, wenn man gezielt nach ihnen sucht. Sie werden bei uns in NRW in der stärksten Gefährdungskategorie der  ROTEN LISTE „Vom Aussterben bedroht“ geführt. Sie leben hier am Westrand ihres Verbreitungsgebietes ganz anders als in Ostdeutschland, wo sie auch viel häufiger vorkommen.

Moorfrösche gehören zu den sog. Braunfröschen, sind also bei uns mit dem Grasfrosch am nächsten verwandt. Wie der Grasfrosch laicht der kleinere Moorfrosch sehr früh im Jahr ab. Der Balzruf hört sich an wie eine unter Wasser gehaltene leere Flasche, aus der die Luft entweicht. Man hört den Ruf nur aus kurzer Distanz und erkennt ihn auch nur als Froschruf, wenn man ihn vorher schon einmal gehört hat. Der Moorfrosch legt wie der Grasfrosch Laichballen ab, die Ballen sind aber kleiner als die des Grasfrosches, sie enthalten weniger Eier mit einer geringeren Größe jedes Eies.

Seit 1988 beobachten die Mitarbeiter der Biologischen Station im Kreis Wesel diesen Frosch. Die Moorfrösche leben in den drei großen rechtsrheinischen Wäldern Diersfordter Wald, Dämmer Wald und Forst „Gewerkschaft Augustus“. Im Diersfordter Wald nutzen sie mehrere Gewässer zum Ablaichen, im Dämmer Wald zwei Laichgewässer und im Forst „Gewerkschaft Augustus“ sind ebenfalls zwei Laichgewässer bekannt.

Diese drei Populationen haben keine Verbindung miteinander. Der Aktionsradius von Moorfröschen ist mit max. 1200 m zu kleindafür. Außerdem sind die Lebensräume durch Straßen wie die Autobahn 31 und die Bundesstraße 224 vollständig voneinander getrennt.

Um die Gefährdung der Moorfroschbestände einschätzen zu können, muss man als erstes wissen, wie sich die Bestände ändern. Es hat sich aber gezeigt, dass eine genaue Erfassung des tatsächlichen Gesamtbestandes gar nicht so einfach ist. Die relativ wenig zeitintensive Standardmethode ist die Zählung von Laichballen im Frühjahr, aber hier muss man mit großen Ungenauigkeiten rechnen. Laichballen werden nicht alle am gleichen Tag abgelegt. Bereits ein Unterschied von knapp einer Woche macht die Laichballen der Gras- und Moorfrösche nicht mehr zählbar, da sich die scharfe Abgrenzung eines Ballen auflöst. Außerdem sind die Ablaichbereiche nicht immer gut zugänglich, so dass man einen Teil der Laichballen nicht immer erfasst.

Also haben die Stationsmitarbeiter an zwei ausgewählten Gewässern seit einigen Jahren Fangzäunen aufgestellt, um die zuwandernden Tiere genau zu erfassen und zu vermessen. Der erste Zaun wurde 1988 im Forst Gewerkschaft Augustus aufgestellt. Hier wurden 1600 Moorfrösche gefangen. Über mehrere Jahre wurde das Gewässer dann nur ohne Einsatz eines Fangzaunes beobachtet, es konnte aber festgestellt werden, dass die Zahl der Moorfrösche dramatisch abnahm. Als Ursache waren einerseits sehr trockene Frühjahre und andererseits starker Druck durch Wildschweine in direkter Nachbarschaft des Laichgewässers anzunehmen. Hinzu kommen natürlich die allgemeinen Belastungen wie z.B. Versauerung der Laichgewässer mit starker Verpilzung des Laiches. Diese Verpilzung hat ein Absterben der Eier zur Folge. So ergab sich, dass zwischenzeitlich nur noch ca. 50 Moorfrösche gezählt wurden.

Seit dem Jahr 2000 versuchen die Mitarbeiter der Biostation Wesel an zwei bekannten Laichgewässern nun regelmäßig Fangzäune aufzustellen, um genauere Zahlen über die Bestandsentwicklung des Moorfrosches zu erhalten. Es wurden insgesamt 4506 Moorfrösche und 4849 andere Amphibien, darunter Kammmolche, Grasfrösche, Kleine Teichfrösche, Erdkröten und Teichmolche gefangen. Die Moorfrösche wurden dann noch einmal genauer differenziert. Es wurde das Geschlecht bestimmt, die Länge und das Gewicht. So konnten das Geschlechterverhältnis, der Anteil an Jungtieren und einige Aspekte der Phänologie (Jahreszeitliche Aspekte der Biologie) festgestellt werden. Einige interessante Aussagen lassen sich heute bereits treffen:

  • Die Zuwanderung und das Ablaichen finden heute bereits deutlich früher statt als vor 30 Jahren. Bereits Anfang Februar wandern die Tiere zu.
  • Die Männchen wandern früher zu als die Weibchen. Im Frühjahr 2004 waren bereits am ersten Wandertag mehr als 50% der Männchen zugewandert. Ein vor allem für den technischen Ablauf wichtiger Aspekt. Baue ich den Zaun auch nur 2 Tage zu spät auf, bekomme ich bereits einen ganz falschen Eindruck vom Geschlechterverhältnis.
  • Der Anteil an Jungtieren ( weniger als 30 mm Kopf-Rumpflänge) schwankt recht stark. Hier stellt sich die Frage nach einem Zusammenhang mit den Laichbedingungen des vorherigen Frühjahres.
  • Die Durchschnittsgewichte der Tiere können in den verschiedenen Gebieten deutlich voneinander abweichen.
  • Die Gesamtzahlen am Zaun in der Flürener Heide scheinen stabil, im Forst Gewerkschaft Augustus zunehmend, wobei die Zahl von 1988 noch nicht wieder erreicht ist.

Interessant wären auch noch Untersuchungen zur Nutzung des Sommerlebensraumes der Moorfrösche. Hierzu müsste man einzelne Tiere so markieren, dass man sie mit vertretbarem Aufwand auch im Sommer wiederfindet. Eine moderne Methode ist die Besenderung von Tieren. Einzelne Moorfrösche bekommen einen Funksender aufgeschnallt, den man dann per Antenne verfolgen kann. Eine andere auch gut funktionierende Methode ist die Implantation von Microchips, mit deren Hilfe man die Tiere individuell wiedererkennen kann. Aber beide Methoden sind mit Kosten und einem hohen Zeitaufwand verbunden.

Wer sich für die Biologie der Moorfrösche interessiert oder auch an der Erfassung mitarbeiten möchte, ist herzlich eingeladen. Kontakt: Georg Terwelp, Biostation Wesel, Tel. 0281/9625214 Mail: terwelp@bskw.de

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel von Herrn Georg Terwelp im Naturspiegel, Heft 57

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