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Feldlerche - Vogel des Jahres 2019

 

Ein Allerweltsvogel macht die Flatter


Die Feldlerche ist Vogel des Jahres 2019. Ihr Bestand nimmt auch am Niederrhein dramatisch ab. Eine andere Agrarpolitik ist dringend notwendig.

 

 

 Bei der Bodenjagd hat die Feldlerche einen Junikäfer erwischt.

 Foto: Peter Malzbender

Die Feldlerche wurde vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) zum Vogel des Jahres 2019 gewählt. Zum zweiten Mal nach 1998; das haben bisher nur ganz wenige Vogelarten erfahren. So eine „Auszeichnung“ hat allerdings eher einen erschütternden Anlass: Der Bestand des unscheinbar gefärbten Himmelsboten ist in Deutschland in den letzten 20 Jahren nochmal  signifikant in den Keller gegangen. Die Gründe dafür sind vielfältig, jedoch vornehmlich in der heute industriell praktizierten Landwirtschaft zu suchen. Dies ist wissenschaftlich gut begründet und auch vielen Verbänden,  Fachbehörden und Ministerien hinlänglich bekannt. Vor allem der gigantische Einsatz von Pestiziden und auch Überdüngungen haben landwirtschaftliche Flächen zu den artenärmsten Lebensräumen auch am Niederrhein werden lassen. Muss das denn so sein? Natürlich nicht, aber der aberwitzige Glaube auch hier an grenzenloser Gewinnmaximierung hat fatale Folgen. Wer ständig zu viele Ressourcen verplempert, muss zwangsläufig auf der Strecke bleiben. Unsere Böden, unser Grundwasser und das Klima sind dadurch bereits übel in Mitleidenschaft gezogen. Die europäische Landwirtschaftspolitik muss umgehend auf links gedreht werden. Nachhaltigkeit ist das Gebot der Zukunft. Das Gießkannenprinzip nach dem europäische Landwirte  Flächenprämien aus Steuergeldern kassieren ist auch volkswirtschaftlich nicht vertretbar. Über ein Drittel des EU-Haushaltes, das sind momentan jährlich 58 Milliarden Euro, fließt europaweit den Bauern als Subventionen zu. Mit mittlerweile unübersehbaren Folgen für Menschen, Biotope und einer natürlichen Artenvielfalt auf unserem Kontinent.

 

 

 Am Boden ist die Feldlerche bestens getarnt.

 Foto: Peter Malzbender

Die Feldlerche war noch vor wenigen Jahrzenten auch in unserer Region ein Allerweltsvogel: nicht gerade ein fidel hüpfender Farbtupfer, eher ein versteckt huschender Bodensprinter, eine schlichte Schönheit der offenen Landschaft. Der Boden war und ist ihr Terrain. Hierauf bewegt sie sich gekonnt und bestens getarnt am liebsten in einer nicht zu dichten und niedrigen Vegetation. Täuschen, sich tarnen und fressbare Schnäppchen ergattern gehören zu ihrer Überlebensstrategie. Kleine Insekten, Gliederlose, Spinnentiere und je nach Jahreszeit auch Sämereien sind ihre Energiegaranten. Starke Gewichtsschwankungen, Altvögel können zwischen 17 und 50 Gramm wiegen, scheinen die bis zu 19 Zentimeter großen Strich-, Stand- und Zugvögel zu verpacken. Nur nicht Neonicotinoide, Glyphosat und andere „Pflanzenschutzmittel“, die u.a. alle Kleinlebewesen töten und damit auch der Feldlerche die Lebensgrundlage entziehen. Monsanto, einer der größten Giftmischer weltweit, will vermitteln, dass die Gesundheit von Menschen dadurch nicht gefährdet sei. Das sind doch gewissenlose Schwadronierer, oder? Es wird Zeit, dass gegen die Vergiftung unserer Landschaft viele Menschen ihre Stimme erheben. Auch politischen Entscheidungsträgern sollte man ruhig häufiger auf die Sprünge helfen.

 

 

 Der Gesang der Feldlerche ist ein Frühjahrsbote.

 Foto: Peter Malzbender

 

Derweil das Lied der Feldlerche in den Kreisen Wesel und Kleve noch zu hören ist, allerdings längst nicht mehr an jeder Ecke in der offenen Landschaft, so wie es noch in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu genießen war. Insbesondere der typische Singflug des Männchens, wobei sich der Prahlhans bis in zweihundert Meter Höhe hochschrauben kann, dient der Reviermarkierung und der Gunst des Weibchens. Die Gesangsdarstellung des Himmelstürmers kann ununterbrochen bis zu 15 Minuten dauern. Rollende, trillernde oder zirpende Töne, ja sogar Stimmenimitationen von anderen Vögeln, werden immer wieder wechselnd und rhythmisch vorgetragen. Energieleistung pur, wieder ein kleines Wunder der Natur. Dabei sollen die Weibchen am Boden schon mal weiche Knie bekommen. Bis zu drei Jahresbruten mit jeweils 4 bis 7 Eiern sind dann durchaus drin. Bitter traurig, dass in der Regel heute höchstens nur noch ein Jungvogel pro Gelege flügge wird, so die Wissenschaftler. Neben Raubsäugern als natürliche Fressfeinde sind es auch Gourmets, die den Bestand der zierlichen Federballen weiter schrumpfen lassen. 900 000 Feldlerchen werden jedes Jahr in sechs Ländern Europas legal gejagt. Für sogenannte Feinschmecker. Menschen die einen Vogelkörper, so groß wie ein Fingerhut, zum Vergnügen ihrer Geschmacksknospen begehren, haben aus Sicht des Autors einen Sprung in der Schüssel. Es wird allerhöchste Zeit, dass europaweit die Jagd auf gefährdete Vogelarten wie Feldlerche, Kiebitz und Co. verboten wird.

 

 

 Eine männliche Feldlerche.

 Foto: Peter Malzbender


Agrarland sollte wieder artenreicher werden


In Europa sind 20 Lerchenarten beheimatet. In Deutschland zur Brutzeit nur drei; wobei die Haubenlerche vom Aussterben bedroht ist. Am Niederrhein brütet neben der Feldlerche nur noch die seltene Heidelerche. 21 Prozent weniger Vogelindividuen sind in den letzten 20 Jahren durch die „moderne“ Landwirtschaft verloren gegangen. Das sind einige Millionen Vögel der offenen Landschaft.  Weiteres Ausbluten der Biodiversität auf Agrarland kann nur durch eine nachhaltig sinnvolle europäische Landwirtschaftspolitik erreicht werden. Dazu gehören unbedingt auch die temporär wechselnden Einrichtungen von Brachen, das sinnvolle Anlegen von Blühstreifen, der größere Reihenabstand innerhalb der Getreidefelder und und und.  Die Umsetzung ist durchaus mach- und bezahlbar. Nimmersatten Shareholdern und rücksichtslosen Giftmischern sollte man nicht weiter das Feld überlassen; schon gar nicht die naturnah über Jahrhunderte  gewachsene niederrheinische Kulturlandschaft.  Die NABU-Kreisgruppe Wesel wird im kommenden Frühjahr  Exkursionen  zum Frühjahrsbalzgesang der Feldlerche veranstalten. Sie können sich gerne vormerken lassen: 0281-164 7787.

 

 

 Offene, nicht zu dichte, niedrige Bodenvegetation ist der bevorzugte Lebensraum der Feldlerche.

 Foto: Peter Malzbender


Peter Malzbender
 

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