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Rabenvögel zu bejagen ist unsinnig

Um es gleich vorweg zu sagen: Ganz ohne Jagd in unserer heutigen Kulturlandschaft geht es nicht. Das Schalenwild hat keine natürlichen Feinde und würde unreguliert insbesondere in der Forst- und Landwirtschaft zu viele Schäden anrichten. Ein durchaus gutes Zeichen ist, dass bekanntermaßen ja der Wolf auch in NRW im Vormarsch ist. Bis er allerdings diesbezüglich zum Regulativ werden kann, fließt noch sehr viel Wasser durch den Rhein. Der Hamminkelner Hegeringsleiter Björn Alexander sieht seinen Niederwildbestand gerade im Großraum Hamminkeln als weiter rückläufig. Diese Feststellung ist korrekt. Allerdings die Krähen hier als einflussreiche Täter zu sehen, ist fern jeder wissenschaftlichen Forschungsergebnisse, die gerade in den letzten Jahren in ganz Deutschland in zig Expertisen nachzulesen sind. Nur etwa 5% des Niederwildbestandes wie Hasen, Kaninchen, Rebhühner und Fasan werden überhaupt von Raben, Greifvögeln, Reihern und Störchen zur Strecke gebracht. 80% der Niederwildbeute wird vom nachtaktiven Raubsäuger Fuchs gefressen. Somit steht eindeutig fest, dass eine Jagd auf Rabenkrähen total unsinnig ist. Der Einfluss der Rabenvögel auf die Population von allen Niederwildarten ist bewiesenermaßen eine zu vernachlässigende Größe. In diesem Zusammenhang muss man sich fragen: Was denkt sich überhaupt die Untere Jagdbehörde des Kreises Wesel dabei, hier im Hamminkelner Bereich eine Ausnahmegenehmigung für den Abschuss der Rabenkrähen zu erteilen? Kennt der Fachbereich der Behörde etwa selbst nicht die längst bekannten wissenschaftlichen Ergebnisse? Ganz davon einmal abgesehen, dass ich den Jägern gar nicht zutraue, jetzt beim Ansprechen der Rabenvögel eine Rabenkrähe von gerade flüggen Saatkrähen auseinander halten zu können. Letztere sind hochgradig geschützt. Im Jugendkleid ist nämlich eine Saatkrähe von der Rabenkrähe nur von wirklichen Experten auseinander zu halten. Hegeringsleiter Björn Alexander macht es sich zu einfach, wenn er die schwarzen Gesellen wieder mal ins schlechte Licht rücken will. Es ist ja auch einfach, da die Bevölkerung bereits seit Generationen aus naturwissenschaftlicher Sicht auf einen Irrpfad geleitet werden. Dazu haben auch Märchenbücher mit Hexenabbildungen und schwarzen Raben auf den Schultern beigetragen, ebenso wird der Thriller „Die Vögel“ von Alfred Hitchcock. Weltweite Forschungen an Rabenvögeln haben ergeben, dass diese sehr intelligenten Vögel kognitiv handeln und auch planen können. Auf diese Ergebnisse hat auch die Jägerschaft jederzeit Zugriff. Um es klar zu sagen: Der gravierende Rückgang des gesamten Niederwildbestandes in unserer Region und weit darüber hinaus ist maßgeblich der „modernen Landwirtschaft“ geschuldet. Der unverhältnismäßige Einsatz von Insektiziden und Herbiziden macht unsere Landschaft zunehmend zu einer ausgebeuteten Kulturlandschaft mit immer weniger Tier- und Pflanzenarten, dafür mit unglaublichen Nitratbelastungen der Böden sowie hochgradig belastetem Grundwasser, welches übrigens Allgemeingut ist und keinem Grundstückseigentümer gehört. 

 

 Rabenkrähe

  Die Rabenkrähe ist ungerechtfertigt im Kreuzfeuer der Jäger.

  Foto: Peter Malzbender

  

 Saatkrähe

  Leider ist zu befürchten, dass die geschützte Saatkrähe bei der Jagd ebenfalls

  beschossen wird.

  Foto: Peter Malzbender

  

 Dohle

  Auch die kleine Dohle darf nicht bejagt werden.

  Foto: Peter Malzbender

  

Artikel von Peter Malzbender; 2016

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