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Brandgans - oder Betrachtungen zur Brandente

Eine Zugereiste wird sesshaft

Dem aufmerksamen Beobachter dieses attraktiven Vogels falen sofrt die typischen Gänse- und auch Entenmerkmale auf.
Systematiker zählen diese Halbgans innerhalb der Entenvögel zu einer eigenen Gruppe.
Die Brandgans (Tadorna tadorna) ist aber auch unter anderen Synonymen bekannt. So nannte man sie schon Fuchs-, Erd-, Grab oder Wühlgans, aber auch Höhlen-, Kracht- oder Bergente. In den Niederlanden heißt sie heute noch Bergeent.
Ob Gans oder Ente, beide Begriffe sind anwendbar, denn diese beschreiben einen Körperbautyp.
Durch ihr kontrastreiches Gefieder ist diese Gans kaum zu übersehen. Der Körper ist größtenteils weiß, Kopf und Vorderhals sind schwärzlich-grün. Ein Längsband, das von der Schulter nach hinten reicht, ist ebenfalls schwarz-grün. Auffallend snd das breite fuchsrote Brustband und die rotbraunen Spiegel am Ellenbogen und Unterschwanz. Die Arm und Handschwingen sind schwarz. Schnabel und Füße scheinen fleischfarbig bis rot. Der Schnabel des adulten Männchens ist in der Fortpflanzungszeit intensiv karminrot, und an der Schnabelwurzel ist ein prächtiger roter Höcker zu erkennen. In der Ruhezeit schrumpft dieser aber wieder ein, so dass beide Geschlechter sich ehr ähneln. Vor etwa 30 Jahren wanderte der Charaktervogel der südlichen Nordsee in die Gebiete des unteren Niederrheins ein.
Schnickers 1957, Wille 1958, beobachteten schon flugfähige Jungvögel in Wesel und Mehrum Kr. Wesel. 1961 wurde der erste sichere Brutnachweis am unteren Niederrhein erbracht(Mildenberger in „Die Vögel des Rheinlandes I“).
Seitdem schritt die Besiedelung dieses Gebietes durch Tadorna tadorna kontinuierlich voran. Heute sind die Populationen dieser At im Weseler Raum und in anderen Ramsar-Gebieten als stabil zu betrachten. So hat sich die Brandgans zu einer „Niederrheinerin“ gemausert. Sie ist aus unserer Fauna nicht mehr wegzudenken.
Im alten Ägypten wurde sie als heilig verehrt. Die Hieroglyphe einer Brandgans bedeutete dort das Sinnbild der Mutterliebe.
Nach sehenswerten Balzzeremonien finden ich die jungen Paare und bleiben noch ein Jahr als „Verlobte“ zusammen. Erst im zweiten Jahr sind sie geschlechtsreif und schreiten zum Brutgeschäft. Die Ehe wird wohl auf Lebenszeit geschlossen.

Als Nistplätze dienen meist Erdhöhlen wie Kaninchenbauten, Höhlungen unter Betonplatten und Steinhaufen, sogar Baumhöhlen sind als Niststandorte registriert worden. Künstliche Höhlen, in geeigneten Biotopen versteckt angelegt, werden von ihr ohne weiteres angenommen. Dort wo es keine Höhlen gibt ist die Tendenz zum offenen brüten festzustellen. Diese Nester werden aber auch sehr versteckt und geschützt unter Sträuchern und Büschen angelegt.
Ist eine Erdhöhle zu eng, so wird sie vom Weibchen erweitert. In dieser bebrütet das Weibchen allein etwa acht bis zwölf rahmweiße Eier. Alle drei bis vier Stunden werden Brutpausen eingelegt. Der Ganter begleitet sein Weibchen meistens zum Nahrungsplatz. Er bringt es auch wieder zum Nest zurück und entfernt sich danach. Das ist vielleicht ein Ablenkungsmanöver für mögliche Beutegreifer.
Nach 28 bis 30 Tagen Brutzeit schlüpfen die Gössel. Sie verlassen die Höhle erst, wenn alle Geschwister trocken sind. Jetzt werden sie von den Eltern zum nächsten Gewässer geführt. Meist geschieht dies am frühen Morgen. Das Weibchen führt, der Ganter folgt als Letzter den Jungen.
Die Pullis sind schon überaus beweglich. Haben sie erst mal das Wasser erreicht, sind sie schon sehr selbständig.
Ausgelassen und putzmunter schwimmen sie auf dem Wasser. Sie tauchen blitzschnell, um ihre Nahrung, kleine wirbellose Tiere wie z. B. Mollusken und Insektenlarven, zu erbeuten. Dabei bleibt der Familienverband zusammen. Die älteren Brandgänse suchen ihre Nahrung in Seicht- und Schlickzonen. Dort schnabulieren sie Würmer, Muscheln, kleine Schnecken, die aus dem seichten Wasser und Schlamm herausgesiebt werden. Mit Interesse kann man beobachten, wie die Gans ihren Schnabel im Schlick hin und her schwenkt. Dabei werden Wasser und Nahrung mit dem Schnabel aufgenommen.
Im Schnabel befinden sich so genannte Lamellen, eine am Innenrand des Oberschnabels und je eine an beiden Rändern des Unterschnabels. Beim Auspumpen des Wassers halten diese kammähnlichen Platten die Nahrung zurück.

Ein überaus bedeutendes Brutgebiet der Brandgans ist die alte, sehr wertvolle, naturbelassene Abgrabung linksrheinisch in Wesel-Perrich, Rheinstrom-km 816,5. Dort sieht man jedes Jahr in der Brutzeit fünf bis sieben Paare mit ihren Jungen. Man kann dann beobachten, wie sich nach zwei bis drei Wochen die Jungen benachbarter Paare zu so genannten „Kindergärten“ zusammenschließen. Diese können dann auf biss zu 50 und mehr Gössel anwachen. Betreut werden sie jetzt von ein paar Altvögeln, zumeist Eltern, die ihre Jungen verloren haben.
Die steigende Tendenz der Brutpaare ist aber stark gefährdet. Hier ist sogar höchste Alarmstufe geboten.
Der verlandete Baggersee in Perrich hat sich zu einem äußerst wertvollen Lebensraum für die heimische Vogelwelt entwickelt. Auch viele Durchzügler und Überwinterer nutzen dieses Gebiet, um „aufzutanken“. Viele Limikolenarten, die auf ihrem so gefahrvollen und Energie raubenden Flug in den Süden rasten, finden hier einen reich gedeckten Tisch. Nicht nur das üppige Nahrungsangebot wird genutzt, auch die so lebensnotwendige Gefiederpflege der Vögel ist hier zu beobachten. Diesen Biotop will man jetzt zerstören.
Findige von der Ökonomie geprägte Köpfe haben herausgefunden, dass dort ein „Leitdeich“ – was auch immer darunter zu verstehen ist – dem Rhein und der Schifffahrt gut stehen würde. Nach den bisherigen Erfahrungen brauchen wir uns nicht mehr zu wundern, wenn es diesen Leuten gelingt, ein wertvolles Naturschutzgebiet zu ruinieren.

Ein besonderes Phänomen der europäischen Brandgänse ist der jährliche Mauserzug zum Großknechtsand und zu anderen Sandbänken zischen Weser- und Elbemündung. In den Monaten Juli und August, wen die Jungen noch in den „Kindergärten“ geführt werden versammeln sich dort bis zu 100.000 adulte Brandgänse, um ihr Großgefieder zu wechseln. Es ist schon eine internationale Interessengemeinschaft, die sich hier zusammen findet. Brutvögel aus England, Holland, Belgien, Skandinavien, dem Baltikum, Polen, der DDR sowie der Bundesrepublik geben sich hier ein Stelldichein.
Man kann also davon ausgehen, dass diese Mauserplätze in der Deutschen Bucht für alle europäischen Brandgänse lebensnotwendig sind. Sie sind auf dieses Gebiet einfach angewiesen. Während ihrer Mauserzeit verlieren diese Vögel gleichzeitig ihre Schwungfedern. So sind sie etwa 25 bis 30 Tage flugunfähig. Das Wattenmeer bietet genügend Nahrung und auch Sicherheit für die mausernden Vögel. Doch diese Sicherheit trügt. Auch hier heißt es Ökonomie vor Ökologie.
Inmitten dieses größten Mauserplatzes Europas wird Öl gefördert. Aber es kommt noch schlimmer. Schon plant ein bedeutendes deutsches Wirtschaftsunternehmen neue Probebohrungen.
So leben in gewissen Zeiten etwa 100.000 Brandgänse und mehrere 100.000 andere Individuen in permanenter Gefahr.
Ein, kleiner, schon ein winziger Betriebsunfall könnte die ganze Population adulter europäischer Brandgänseauslöschen.
Zum Sterben der Gänseküken ist anzumerken, dass die Verluste der wenige Tage alten Jungen doch sehr erheblich sind. Fachleute schätzen diese Einbußen auf etwa 40 %.. Mehrtägige Schlechtwetterperioden machen auch den älteren Gänsen schwer zu schaffen. So kommt es auch hier zu erheblichen Bestandsverminderungen.
In der Mauserzeit der adulten Gänse hat sich das gescheckte Kleid der Brandgans-Küken ein bisschen verändert. Im Alter von 50 Tagen sind die Junggänse voll befiedert und unternehmen schon Flugübungen. Ihr Schnabel ist jetzt hellgrau, die Füße sind ebenfalls hellgrau bis blass fleischfarben. Der Oberkopf, Oberhals und Rücken zeigen ein verwaschenes graubraun. Die Unterseite ist weißlich.
In den Monaten Oktober/November ziehen auch die Junggänse aus ihren Brutgebieten ab. Oft schließen sie sich den von ihren Mauserplätzen zurückkehrenden Altvögeln an. Der Zug geht in Richtung Süd-West.
Ringfunde haben erwiesen, dass sie bei dieser Winterflucht größere Strecken bis zu mehr als 1.000 km, zurücklegen.
Die Rückkehr in die Brutgebiete erfolgt je nach Witterung zwischen Ende Januar und Mitte April.
Ein Jahreszyklus geht zu Ende, ein neuer beginnt.

Ein Beitrag von Paul Laakmann aus Buntspecht 3/1988
 

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