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Der Turmfalke - Falco tinnunculus

 

Schneller Mäusejäger

In unseren Regionen ist Falco tinnunculus neben dem Mäusebussard der häufigste Greifvogel. Das ist ein Segen für unsere Landwirtschaft. Wenn man überhaupt vom Nutzen oder Schaden einer Tierart sprechen darf, ist unser Turmfalke von seiner Nützlichkeit her gesehen ganz oben anzusiedeln.

Turmfalke Männchen auf Ansitz - NABU-VerbandsnetzDas ausgewachsene Turmfalkenmännchen ist etwa 32 cm groß. Es hat einen grauen Oberkopf, eine rotbraune, schwarz getupfte Oberseite, einen grauen Schwanz mit schwarzer Endbinde und weißer Spitze. Die Unterseite ist rahmfarben mit schwarzen Flecken.
Das etwas größere Weibchen dagegen hat eine vollkommen rotbraune Oberseite, die schwarz gebändert ist. Der Schwanz ist braun und dunkel gebändert. Beide Geschlechter tragen einen kurzen schwarzen Bartstreifen. Dieser könnte bei einer Luft-Bodenjagd ein Blendschutz sein.
Beide beschilderten Fänge sind sattgelb. Auch hat er wie alle anderen Falken am Oberschnabel den sogenannten „Falkenzahn“. Im Unterschnabel befindet sich die dazu passende Auskerbung. Nahrungsteile können dadurch sehr gut festgehalten werden.

Früher Jäger

Das Hauptbeutetier des Turmfalken ist die Feldmaus. Aber er verschmäht auch Kerbtiere sowie Kleinvögel nicht, wenn er diese erbeuten kann. Schon vom frühen Morgen an bis zum späten Abend kann man ihn bei der Jagd beobachten. Die Jagdstrategien, die er entwickelt hat, setzt er bei seinen Beuteflügen sehr sinnvoll ein. Am häufigsten ist wohl der Suchflug, bei dem er mit schnellen Flügelschlägen über sein Jagdgebiet streicht. Plötzlich bricht er seinen Flug ab und beginnt mit dem Rütteln – daher auch der Name „Rüttelfalke“. Hierbei nutzt er Auf- und Gegenwinde geschickt aus, wobei er bei starkem Gegenwind sogar fast bewegungslos in der Luft stehen bleiben kann.
Erspäht er eine Maus, geht es meist etappenweise abwärts. Dabei lässt er sich einige Meter fallen, um dann wieder zu rütteln. Je nach Höhe kann dieses zwei- bis dreimal geschehen. In der Nähe des Bodens unterbricht er häufig nochmal seinen Fall, um die Beute abermals genau zu fixieren und sie dann im Stoßflug zu ergreifen.
War die Jagd erfolgreich, so tötet er die Maus nach Falkenart mit einem Biß in den Nacken.
Die Ansitzjagd tätigt unser Turmfalke von erhöhten Warten, Freileitungen, Zaunpfählen aber auch von Baum- und Strauchwipfeln aus. Diese Jagdart ist natürlich die energiesparendste und wird daher im Winter bevorzugt.
Bei Schneelagen hat er es sehr schwer, Nahrung zu ergreifen. Deshalb stellt er seine Jagd auf Kleinvögel um. Der Turmfalke bevorzugt die Jagd auf flugbehinderte und geschwächte Vögel, wofür er einen geübten Blick hat.
Ich beobachtete einmal einen Turmfalken, der aus etwa 200 m Entfernung einen gekäfigten Vogel fixierte, diesen plötzlich anflog, um ihn zu erbeuten. Das Hin- und Herflattern des Vogels im Käfig signalisierte dem Falken die Flugbehinderung, woraus er auf eine leicht zu schlagende Beute schloss.

Die Experten - lernfähige Spezialisten

Überhaupt jagt der Turmfalke normal nur sich bewegende Ziele. Eine bewegungslose Erscheinung löst bei ihm keinen Beutereiz aus. Da gibt es aber auch die sogenannten „Spezialisten“.

An einem Beispiel möchte ich einmal verdeutlichen, dass sich diese beim Beutemachen nicht immer artspezifisch verhalten. Karl-Heinz Gaßling beobachtete bei einer Autofahrt einen Turmfalken, der auf einer Straße an einem Kaninchen (ein Verkehrsopfer) kröpfte. Er fuhr vorsichtig heran, doch der Falke ließ sich bei seinem Mahl nicht stören. Erst als er das Öffnen der Autotür wahrnahm, strich er ab. Manch einer dieser Spezialisten wird dann leicht selbst zum Verkehrsopfer.

Weiter beobachtete der erfahrene Rheinberger Vogelkundler einen Turmfalken, der immer gezielt einen Luderplatz für Mäusebussarde anflog, um dort am Aas zu kröpfen. Der Luderplatz wurde mit toten Küken einer Geflügelfarm beschickt.

Auch bei anderen Vogelarten gibt es „Experten“, die es irgendwie gelernt haben, anders Beute zu erwerben als ihre Artgenossen. So beobachtete ich einen Graureiher, der in Höhe von Stromkilometer 821 den Rhein in etwa 10 – 12 Metern Höhe überflog. Plötzlich ließ sich der Reiher fallen, um wie eine Flussseeschwalbe stoßtauchend im Strom zu landen. Sein Sturzflug war erfolgreich, denn kurze Zeit später erhob er sich schwerfällig mit der Beute, einem Fisch, und flog zum anderen Ufer, wo er ihn sich einverleibte.

Der bekannte Tierfotograf Robert Groß aus Fulda, der an einer Bildserie über die Jagdgewohnheiten des Eisvogels arbeitete, beobachtete bei seiner Tätigkeit auch ein Rotkehlchen, welches dem Eisvogel beim Fischfang zuschaute. Eines Tages stürzte sich das Rotkehlchen ebenfalls ins Wasser und fing einen kleinen Fisch. Fortan kam dieser kleine Singvogel regelmäßig zum Fischfang und flog dann mit seiner Beute davon(aus Photoblätter, Heft 6/85, Umschau Verlag).

So sieht man, dass es auch abseits vom Turmfalken Besonderheiten und Ausnahmen gibt, die uns immer wieder überraschen.

Nestbau und Brutpflege

Turmfalke am Nistplatz - Rolf JuergensWie alle Falken baut auch der Turmfalke kein eigenes Nest. Er bevorzugt Mauernischen und Höhlungen, Krähen- und Elsternester. Hier aber ist unser Turmfalke gefährdet. Durch das unnötige Ausschießen von Elster- und Krähennestern hat es Falco tinnunculus schwer, einen Brutplatz zu finden.
Hier ist der Gesetzgeber gefordert, dass er ein für allemal diesem unwaidmännischen Verhalten ein Ende bereitet.

In vielen Untersuchungen haben Wissenschaftler nachgewiesen, dass die sogenannte „Kurzhaltung von natürlichen Feinden“ keine Hilfe für eine andere Art ist. Im Gegenteil: Diese „natürlichen Feinde“ erfüllen eine entscheidende biologische Aufgabe. Als Regulatoren der Natur sind sie ein Werkzeug der Auslese.

In Ermangelung von geeigneten Nestern, Brutnischen oder in baumlosen Gegenden horstet er aber auch auf dem Erdboden. Dieses wurde im Dünungsgebiet der Nordsee beobachtet. Der Turmfalke nimmt aber auch gerne künstliche Nisthilfen an.

Mitte April bis Anfang Mai setzt das Weibchen sein Gelege, welches meist aus vier bis sechs dicht rotbraun gefleckten Eiern besteht. Diese werden allein von ihr 28 – 30 Tage bebrütet. Es wird während der Brut vom Männchen mit Nahrung versorgt. Beim Schlüpfen tragen die Nesthocker, so nennt man die jungen Turmfalken, feine weiße Nestdunen. Die kleinen Nestlinge werden vom Weibchen alleine mit zerkleinerten „Leckerbissen“ (Muskelfleisch einer Maus) gefüttert.

Nisthilfe für Turmfalke an der Klosterkirche BordesholmDas Männchen, welches in den ersten zwei Wochen die Falkenfamilie versorgt, ist meist nicht in der Lage, die Happen so zu zerkleinern, dass die Jungen diese ungefährdet verschlucken können.
Nach etwa 14 Tagen wird das Hudern vom Weibchen eingestellt. Nun hört es auch auf, die Nahrung zu zerkleinern.
Kröpfen die Jungfalken allein, hört die Arbeitsteilung der Altvögel am Horst auf. Beide Eltern versorgen nun unabhängig voneinander ihre Jungen mit Atzung. Nach etwa drei bis vier Wochen haben die Jungfalken ihr volles Körpergewicht erreicht.
Nach 30 Tagen Nestlingszeit fliegen die ersten Jungfalken aus. Voll flugfähig sind diese aber erst mit 35 Tagen.

Die Eltern leben noch einige Zeit mit ihren Jungen im Familienverband zusammen. Langsam nehmen dann die Fütterungen ab, und die jungen Falken werden selbständig. Wenn sie von ihren Eltern unabhängig geworden sind, löst sich meist der Familienverband auf.

 

Gefährliche Wanderschaft

Die Falken verlassen dann größtenteils ihr Brutgebiet und begeben sich auf Wanderungen.

Nach Gerhard Creutz zählt der Turmfalke zu den Stand-, Strich- und Zugvögeln. Zugziel sind West- und Südwest-Europa und Afrika. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Winterflucht. Die in der Bundesrepublik beheimateten Turmfalken sind hauptsächlich Stand- und Strichvögel, wogegen die skandinavischen Turmfalken in der Mehrzahl Zugvögel sind.

Die Sterblichkeit der Jungfalken ist sehr hoch. Etwa 50 % überleben das erste Lebensjahr nicht. Dagegen können einzelne Falken in der Freiheit 10 – 15 Jahre alt werden, was man durch Beringung festgestellt hat. Nach Rudolf Piechocki sterben 40 % der Turmfalken durch Abschüsse. Bei diesen verwerflichen Tatensteht Frankreich mit 65 % vor Italien mit 8,5 % und Spanien mit 8 % an der Spitze. Wann werden unsere europäischen Politiker aufwachen und Gesetze schaffen, damit endlich diesem sinnlosten Vogelmord Einhalt geboten wird?

 Ein Beitrag von Paul Laakmann aus Buntspecht 1/1986

 

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