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Hecken

 

Von der Totholz zur Lebendhecke (… und wieder zurück?)

Im Mittelalter und sicher schon weit früher, wurden von Menschen Totholzhecken gebaut, um Weideflächen einzuzäunen. Dazu schlugen sie z.B. Weißdornstämme, sogenannte Hagedornstämme, in den Boden, stützten diese mit Stangen ab und durchflochten sie anschließend mit biegsamen Haselruten. Sie wurden das ganze Mittelalter hindurch gebaut.

 

Nach und nach wurden solche Flechthecken von dauerhaften, also „lebenden“ Hecken abgelöst, da sie nicht mehr regelmäßig erneuert werden mussten und Rinder, Schweine und Schafe nicht mehr so einfach hindurch kamen. Im Laufe der Entwicklung wuchs entlang einer Hecke immer mehr Buschwerk. Licht und Schatten, aber auch unterschiedliche Temperatur-, Wasser- und Windverhältnisse erlaubten das Gedeihen von Blumen des offenen Feldes und des geschützteren Waldes. Hecken entwickelten sich zu vielfältigen Lebensräumen für Vögel, kleine Säugetiere, Insekten und Reptilien aber auch für viele Blumen und Kräuterarten. Je nach Ansprüchen und Region entwickelten sich die unterschiedlichsten Hecken.

 

Normannische Hecke

Die Normannische Hecke bestand vor allem aus Weißdorn, der wegen seiner Dornen und festen Äste eine dichte und stabile Hecke bildete. Sie wurde jedoch so niedrig gehalten, dass Pferde bei der Jagd darüber springen konnten. Die Pflege der Weißdornhecke war eine schwierige Angelegenheit. Dornige Äste wurden zurückgeschnitten, der Stamm bis zum Wurzelstock gespalten. Den gespalteten Stamm legte man zur Seite über eine Lücke, schlug in einigem Abstand eine Stange ein und flocht mit großem Geschick mehrere Meter lange Haselruten um die Stützstangen. Hinzu kamen Brombeerranken, um das Vieh abzuhalten, bis der Dornstrauch im Frühjahr erneut ausschlug.

 

Neue Einhegungen

Im 18. Jahrhundert wurde das mittelalterliche Feldsystem durch vielfach aufgeteilte kleine Felder ersetzt, die lange die Landschaft prägten. Somit entstanden viele neue Hecken. Zum Weißdorn gesellten sich fortan Brombeersträucher, Heckenrose und Geißblatt, aber auch Holzapfel, Elsbeere, Haselnuss, Holunder, Hainbuche, Liguster und Ilex sowie weitere Arten. Außerdem zäunte die Hecke nun auch Privateigentum ein. Zur besseren Holzversorgung wurden daher auch Bäume in die Hecken gepflanzt: Eichen, Eschen, Ulmen und weitere Arten.


Heute gibt es vielfältige Hecken in der Landschaft. Leider gibt es viel zu viele Koniferen-Hecken, deren ökologische Bedeutung unbedeutend ist.

 

Benjeshecke - Reisighecke

Eine Weiterentwicklung der Flechthecken ist die sog. Benjeshecke. Sie stellt eine sinnvolle Verwertungsmethode von anfallendem Reisig, (Äste von Bäumen und Sträuchern) dar und sollte in keinem Garten fehlen.

Ursprünglich wurden sie von Hermann Benjes schon vor über 25 Jahren entwickelt und als mehrere Meter breite und 1,5 Meter hohe Gestrüppbarrieren beliebiger Länge aus aufgeschichtetem Buschwerk in der offenen Landschaft errichtet. Die Reisighecke dient in erster Linie der Schaffung von Strukturen in der ausgeräumten Landschaft. In der Folgezeit können Gehölze durch „Ansamung“ durch Wind oder Vögel und andere Tiere wachsen und so für eine natürliche Begrünung sorgen.

 

Wir haben in den vergangenen 15 Jahren viele Reisighecken in der Region angelegt. Diese wurden zwischenzeitlich vielfach kopiert und sind inzwischen auch in vielen Gärten zu finden. Zwischen zwei Reihen von Pfählen (Pfahlabstand in der Reihe: 1 bis 2 m) werden dicke und dünne Äste als Hecke aufgeschichtet. Die Breite dieser Reisighecke ist beliebig variabel und kann von jedem Gartenbesitzer je nach Platzangebot selbst bestimmt werden. In der Höhe sind 1,00 bis 1,50 m sinnvoll. Auf diese Weise entstehen sehr dichte, fast zaunartige Strukturen. Es können auch Baumstümpfe, Laub und auch Rasenschnitt mit aufgeschichtet werden. Die Verwendung von Rasenschnitt oder Laub in der „Garten-Benjeshecke“ ist unproblematisch und in jedem Fall besser, als diese in einer Biotonne verschwinden zu lassen. In der offenen Landschaft sollte man sich jedoch auf Laubholz-Reisig aus der unmittelbaren Umgebung beschränken.

 

Die Totholzhecke erwacht zu neuem Leben

Im Laufe eines Jahres erwacht die Totholzhecke zu neuem Leben. Es entwickelt sich ein reges Treiben in ihrem Innern: Käfer, Wildbienen und zahlreiche andere Insekten, aber auch Spinnen, Würmer, Wiesel, Spitz- und Haselmäuse, Kröten, Frösche, Kleinvögel wie der Zaunkönig und viele andere Tiere erobern diesen Kleinlebensraum und machen sich an die Zersetzungsarbeit. Die scheinbar tote Holzaufschichtung beginnt zu verrotten und fällt dadurch zusammen. Man kann dann in jedem Jahr wieder erneut das im Garten anfallende Reisig, Laub und Rasenschnitt darauf schichten. Es entwickelt sich im Nu eine kleine Natur-Oase. Zudem sind solche kleinen Brachflächen, die sich naturnah entwickeln können, überaus wichtig für die Natur.

 

Nicht zuletzt entfallen die Transportkosten für Fahrten zur Kompostierungsanlage oder Energiekosten für das Häckseln oder Schreddern. Unterm Strich viele ökologische Vorteile!

 

Was machen Sie mit Ihrem Baum- und Strauchschnitt? Haben Sie auch schon eine Reisighecke in Ihrem Garten angelegt? Schreiben Sie uns. Wir sind gespannt auf Ihre Ideen.

 

Text und Fotos von Frank Boßerhoff, ein Beitrag im Naturspiegel 4/2007, Heft 68

 

Literatur:

Hermann Benjes, 1994. Die Vernetzung von Lebensräumen mit Feldhecken. 4., überarb. u. erw. Auflage. Natur & Umwelt-Praxis - Band 1. Bonn: Natur & Umwelt Verlag. ca. 16,- €.
Eric Thomas & John T. White 1982. Die Hecke. Gerstenberg Verlag.

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